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Victoria KR26: Ritzel, Kettenrad, Kettenspanner

Ursprünglich bot Victoria für die KR25– und KR26–Modelle nur Motorritzel mit 16 bis 18 Zähnen an. Dabei war das Ritzel mit 18 Zähnen die Standard–Übersetzung für den Solobetrieb der größeren Motore.

Für die KR25 wurde nachträglich ein Ritzel mit 15 Zähnen eingeführt, das wohl vor allem für den Gespannbetrieb gedacht war. Für den Wettbewerb gab es sogar 14er–Ritzel (die aber nur bei einer KR25 verwendbar sind).

Die Wahl des richtigen Ritzels ist besonders bei Gespannen wichtig, sonst geraten der vierte Gang leicht zum „Overdrive” und die Bergfahrt mit Passagier zur Herausforderung.

Nachträglich stellte sich bei uns heraus, dass das Ritzel durchaus noch kleiner sein darf - was nicht geht - oder das Kettenrad größer.

Hier folgen Tipps dazu und zum benötigten Wechsel des Tachos, denn der wird von Getriebe aus angetrieben und ist daher vom Ritzel abhängig.

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Kettenrad und Raddurchmesser

Die Victoria KR26 gab es mit 19"– und 18"–Rädern. Um ansonsten nichts ändern zu müssen, gab es daher zwei verschiedene Kettenräder. Das für 18"–Felgen hat entsprechend weniger Zähne.

Das Kettenrad kann beim Radwechsel samt Kette am Rahmen verbleiben. Es hat drei Mitnehmerstifte, die in Gummilager an der Hinterradnabe eingreifen. Das kleine (44 Zähne) und das größere Kettenrad (46 Zähne) passen beide auf die Naben, denn die sind bei beiden Radgrößen identisch. Ab Werk ergeben sich folgende Untersetzungen für den Sekundärantrieb:

Rad
Solo (18 Zähne)
Gespann (16 Zähne)
19"
1:2,56
1:2,88
18"
1:2,44
1:2,75

Die Kombination aus kleinem Kettenrad mit großem Rad oder anders herum gibt also eine Differenz von etwa 4,7%, die Differenz der Radgrößen macht etwa 5,5% aus. Der Unterschied zwischen einem 18er und einem 16er Ritzel beträgt 12,5%, zwischen 18er und 17er 5,9%.

Ein 16er Ritzel bei 19"–Felge und kleinem Kettenrad entspricht also etwa einem 17er Ritzel bei großem Kettenrad. Das ist bei der Berechnung der Wegdrehzahl (siehe weiter unten) zu berücksichtigen.

 

Wahl und Wechsel des Ritzels

Mit dem Standard–Ritzel ist im Gespannbetrieb mit Passagier kein Blumentopf zu gewinnen. Statt 18 sollten es 16 oder maximal 17 Zähne sein. Zur Erinnerung: Je weniger Zähne, desto geringer die Übersetzung und desto höher das Drehmoment am Hinterrad.

Klaus Bächer hat eine größere Stückzahl von Ritzeln mit 16 Zähnen anfertigen lassen samt neuen Sicherungsscheiben - da haben wir uns um ganz kleines Geld auch bedient. Danke für die Aktion!

Mit diesem Teil erreicht das KR26–Gespann noch gut 85 km/h - kommt jedoch bei einem guten Motor auch mit Passagier noch im dritten Gang 8%–Steigungen hoch.

Etwas unglücklich hat Victoria das Ritzel hinter der Motorschale rechts untergebracht. Das heißt, für einen Wechsel muss das Schwungrad hinter der Lichtmaschine abgezogen werden.

Das Ritzel selbst ist durch eine Mutter mit Linksgewinde und Schlüsselweite 36 gesichert. Für den Umbau müssen die Wangen des Blechs flachgebördelt werden. Als Widerlager bietet sich ein passender Holzkeil an, der zwischen Zähne und Motorgehäuse geklemmt wird, denn die Mutter sitzt sehr fest. Eine Nuss mit ½"–Vierkant ist besser geeignet als ein Schraubenschlüssel - eine Rundung außen sollte abgeschliffen werden.

Wenn die Schale schon einmal abgenommen ist, sollte sie auch gleich vom typischen Schmodder des Kettenfetts befreit werden (siehe Foto).

 

Kette und Kettenspanner

Die Sekundärkette hat normaler Weise 120 Rollen (1/2 × 5/16"). Unser Gespann braucht wegen des Heckumbaus 122 Rollen. Beim Heck der KR26 werkeln für die Kettenspannung Zugspanner, beim Starrheck der KR25 Druckspannschrauben M7.

Nun ist es jedoch blöd, öfter die Kette spannen zu müssen, und zu lose Ketten (der Durchhang sollte bei etwa eine Zentimeter liegen) schädigen schnell Ritzel und Kettenrad, abgesehen davon, dass das ein bisschen Leistung kostet.

Was einem Quad Recht ist, ist uns billig. Also haben wir uns Spiegelhalter als Aluminium beschafft, einen kugelgelagerten Kettenspanner für ein Quad und eine Feder für Auspuffanlagen bei Autos.

Auf dem zweiten Bild der Abschnitts ist die provisorische Montage zu sehen. Die Feder hat noch nicht genug Vorspannung, also muss das nochmal auseinander genommen und ein Loch weiter vorne für die Feder gebohrt werden. Dann kann auch der obere Halter so gedreht werden, dass der Überstand nach innen zeigt, was eindeutig schöner ist.

Fazit: Das ist in unserem Fall eine kostengünstige und schnell erledigte Bastelei. Der Zufall will es so, dass die Abstände hier zum senkrecht eingeschweißten Rohr am Heckrahmen passen. Um die Mimik überhaupt zu sehen, muss der Betrachter schon ziemlich tief zwischen Motorrad und Beiwagen 'reinschauen.

 

Sägen oder nicht sägen - das ist die Frage!

Unter nicht–Puristen kursiert der Tipp, den hinteren Teil der Motorschale mit einem feinen Sägeblatt vom Polradgehäuse zu trennen.

Das hat natürlich den Vorteil, dass das Polrad für einen Ritzelwechsel nicht mehr abgezogen werden muss. Wer jedoch solche Wechsel nicht erwartet, tut unserer Meinung besser daran, das Gehäuse im Original­zustand zu belassen, zumal dann kein Fett oder Öl am Sägeschlitz austreten kann, und lieber einen guten Abzieher für das Polrad zu bauen.

Das Foto des Abschnitts zeigt die Tochter bei der Montage des Deckels. Dieser wird vorne mit fünf Sechskantschrauben M7 gehalten. Die oberste Schraube ist wegen des Zylinderfuß' eher kurz.

Die Tochter nahm den väterlichen Rat ernst: „Zieh' die Schrauben ja fest an.” . Die Bemühung war von Erfolg gekrönt: Die obere, kurze Schraube scherte glatt ab. Das war jedoch wohl eher auf einen „Lunker” zurück zu führen. Kurz, es geht auch ohne, und den abgerissenen Stumpf haben wir nicht ausgelöst bekommen.

 

Ein leidiges Thema: der Tacho

Die Tachometer der Modelle KR25 HM und KR26 werden über eine schrägverzahnte Welle vom Getriebe statt von einem Rad angetrieben. Das ist zwar technisch gut, aber nicht besonders praktisch, da ein Wechsel von 18– zu 19 "–Rädern oder ein Wechsel des Ritzels ein Tachowerk mit einer anderen Wegdrehzahl erfordert.

Gehen wir von den hier verwendeten Rädern mit 19 " aus.

TÜV–Prüfer werden das bei Veteranen vielleicht nicht so eng sehen. Streng genommen sind jedoch bis zu 4% Voreilung der Geschwindig­keitsanzeige zulässig, jedoch keine Nacheilung (zu wenig Anzeige). Der Kilometerzähler spielt hingegen keine Rolle.

Bei 18 Zähnen beträgt die Wegdrehzahl 0,95, bei 17 1,00 und bei 16 1,05. Tachowerke von Victoria selbst mit der Wegdrehzahl 1,05 sind jedoch eine Rarität. Bei DKW hingegen war dieser Wert üblich.

Wir haben daher einen DKW–Tacho „victorianisiert”. Persönlich bevorzuge ich die „1 Uhr”–Ausführung wie im Foto gezeigt, weil sie einfach charmanter aussieht.

Die Werke für die Instrumente mit 80 mm Durchmesser sind meist gleich, sodass der Umbau leicht möglich ist. Siehe hierzu auch den Beitrag zum Thema „Chromringe bördeln”.

 
 
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