Beginn des Inhalts.

Tagfahrlicht am Veteranen–Motorrad - eine gute Sache

Tagfahrlicht ist auch für Krafträder schon eine ganze Weile zulässig. Das ist besonders für uns Fahrer von Veteranen interessant, weil die kurz TFL genannten Tagfahrleuchten meist mit Leuchtdioden werkeln, die nur herzlich wenig Strom verbrauchen. Der hier vorgestellte Typ braucht je Leuchte 3 Watt.

Zur Erinnerung: Tagfahrleuchten werden mit der Zündung eingeschaltet und müssen bei eingeschaltetem Stand– oder Fahrlicht entweder ausgehen („RL”–Zulassung) oder auf die Helligkeit von zusätzlichen Positionsleuchten gedimmt werden („A RL”–Zulassung).

Hier beschreiben wir „unser” Modell, dessen Anbringung und Anschluss - bei 6 Volt Bordspannung. Danke an Holger H. für Kritik, sachdienliche Hinweise und Tipps!

Abschnitte dieser Seite:

 

Allgemeines, Eignung für 6 Volt

Die sogenannten High PowerLED werden mit einer Betriebsspannung von 3,25 Volt betrieben. Damit ist klar, dass sie prinzipiell auch für eine Bordelektrik mit 6 Volt Nennspannung geeignet sind. Speziell dafür ausgewiesene Tagfahrleuchten gibt es jedoch nicht.

Der Typ, der sich beim Einschalten des Lichts ausschaltet, dürfte da eher in Frage kommen - denn da wird meist nur ein Spannungsregler je Leuchte arbeiten (darum auch die Gehäuse mit Kühlrippen). Bei einer Reduzierung von höchstens 7,2 auf 3,2 Volt dürfte jedoch keine besondere Kühlung nötig sein - da werden die LED weit heißer. Die Frage ist eher, ob die ebenfalls integrierte Elektronik zur Abschaltung bei eingeschaltetem Hauptlicht es tut, denn viele elektronische Schaltungen brauchen mindestens 9 Volt Betriebs­spannung. Die allerdings ist leicht mit einem Relais oder einen kleinen Elektronikschaltung nachzurüsten.

Diese Info ist jedoch ohne Versuch nicht zu bekommen. Wir haben uns für ein Modell von AuCo mit einer einzelnen LED entschieden (42,- €).

Die erforderlichen Spannungen wurden nach dem Eintreffen der Lieferung mit einem Labornetzteil geprüft. Die Leuchten gehen bei etwa 6,6 Volt an und die Abschaltung tut's ebenfalls. Das ist schonmal gut! Ein bisschen kritisch ist jedoch, dass die gewöhnliche Ladespannung zwar 7,2 Volt beträgt, jedoch weder im Stand noch bei niedrigem Leerlauf erreicht wird.

Die Leuchten werden da also wahrscheinlich noch nicht „anspringen”. Das macht erstmal nichts, denn:

Jedoch können die Tagfahrlichter ausgeschaltet bleiben, während sich das automatische Getriebe in der Stellung 'Parken' oder 'Neutral' befindet, die Feststellbremse angelegt ist oder das Antriebssystem zwar aktiviert ist, aber das Fahrzeug sich noch nicht erstmals in Bewegung gesetzt hat.
Quelle: (Link: fremde Seite) tüfa–team.

Wiederum gut: An den Leuchten muss nichts geändert werden. Beein­druckend niedrig ist der Stromverbrauch - wir haben je Leuchte maximal 350 mA gemessen. Das ist definitiv vernachlässigbar, wenn es die Elektrik überhaupt tut.

 

Anbringungsvorschriften und Aussehen

Die Leuchten müssen mindestens 250 mm und höchstens 1.500 mm oberhalb des Straßenniveaus angebracht werden. Der Abstand zwischen ihnen muss mindestens 60 cm betragen, bei Fahrzeugen bis 1,3 m Breite 40 cm. Sie dürfen rechts und links höchstens 40 cm vom Fahrzeugrand entfernt sein, wenn sie auch als Positionsleuchten (gedimmt) benutzt werden. Außerdem - oft nicht erwähnt - müssen sie weit genug von Blinkern entfernt sein oder beim Blinken abgeschaltet werden.

Prinzipiell ist bei Krafträdern auch die Anbringung nur einer Leuchte in der Nähe des Scheinwerfers gestattet - der Nutzen dürfte bei Motorrädern mit Beiwagen jedoch bei zwei Leuchten weit besser sein.

Bei Motorradgespannen ist es sicher sinnvoll, beide Leuchten ebenfalls auf gleicher Höhe anzubringen, was unter Umständen ein bisschen knifflig werden kann. Es schadet jedenfalls nicht, wenn eine der Leuchten oder beide höhenverstellbar angebracht werden.

Beim Thema „Aussehen” muss jeder Fahrer eines Oldtimer–Motorrads selbst entscheiden, ob es tolerabel ist. Da wir ohnehin eher pragmatisch unterwegs sind und die Leuchten nur 70 mm Durchmesser haben, ist die Antwort für uns klar: ja. Die Abbildung dieses Abschnitts zeigt eine Situation, in der die TFL nützlich sind: Die Sonne scheint zwar, blendet jedoch entgegenkommende Fahrer.

 

Produktbeschreibung

Die Frontscheibe aus Polycarbonat (deutlich stabiler, kratzfester und teurer als andere Kunststoffe, aber nicht völlig kratzfest) ist mit dem recht schweren Gehäuse aus Aluminium–Druckguss verklebt. Eine Leuchte wiegt etwa 210 Gramm, die Befestigung darf daher nicht zu labberig ausfallen (Vibrationsschäden).

An der Rückseite des mit Kühlrippen versehenen Gehäuses werden aus einer Vergussmasse drei kurze Kabelchen herausgeführt, die am Motorrad unbedingt gut gegen Vibration geschützt werden müssen. Die mitge­lieferten Anschlusskabel sind Peitschen mit einer Verzweigung in der Mitte. Das ist für PKW und Wohnmobile sicher gut, für den Gespannfahrer jedoch eher nicht. In die Plus–Leitung ist ein Sicherungshalter mit einer Stecksicherung für 2 Ampère eingeschliffen.

Auf der Rückseite sind zwei Öffnungen mit Aufklebern verschlossen, die nur bedingt Vertrauen erwecken. Die Öffnungen der Reflektor–Schrauben sind mit schwarzer Silikonmasse versiegelt, die der Kabel mit einer anderen Vergussmasse.

Der Haltebügel aus 1,5 mm dickem Stahl wirkt sehr stabil, die beiliegenden vier Blechtreibschrauben sind hingegen ein Fall für „Ablage P”.

Erstes Fazit dennoch: Gut verarbeitet und ein faires Angebot. Allerdings „verreckte” die rechte Leuchte ohne erkennbare Ursachen nach wenigen Monaten. Das dürfte jedoch einfach Pech sein. Kein Problem, der Anbieter mmo GmbH wickelte den Garantiefall schnell und unbürokratisch ab. Gekauft hatten wir bei Amazon über die Muttergesellschaft topauto.com.

 

Anbringung am Gespann

Elektrisch ist das bei unserem Seitenwagen einfach. Zündungsplus (Klemme 15) wird da schon hingeführt, Licht und Masse gibt es auch. Etwas mehr Aufwand ist das auf der Motorradseite - die Anschlüsse 15 (+) und 58 (Standlicht) müssen dort zur Lampe hochgeführt werden.

Die Anbringung erwies sich jedoch als schwierig in mehrfacher Hinsicht (Lage, Höhe, Stabilität, Halter, Aussehen). Da war längeres Grübeln nötig. Da die Schnauze des Beiwagens aktuell zu hoch steht, sollte da oder gegenüber die Leuchte höhenverstellbar sein. Die Tochter war insgesamt auch nicht so begeistert von dem Plan, da gilt es auch Rücksicht zu nehmen  (zwinker) - das sollte vom Design her passen.

Natürlich ging 'mal wieder schief, was schiefgehen kann. Egal, geklappt hat's dennoch. Die Leuchten sind auf (fast) gleicher Höhe und auch in Fahrtachse gesehen gleichauf.

Das Fazit der Tochter: Sie findet's immer noch nicht prickelnd, aber Sicherheit geht nun 'mal vor. Recht hat sie - da muss Schönheit leiden.

Rechts sichert ein Überwurfbügel den Halter am Seitenwagenrahmen. Diese Leuchte kann über eine Abstandshülse hochgesetzt werden, wenn die Schnauze des Beiwagens tiefer gelegt werden wird. Für links wurde (mit eher viel Aufwand) eine Konsole aus Alu gebaut, die an der Mutter für den vorderen Seitenwagenanschluss befestigt ist.

Deren Abwicklung besteht aus einem einzigen Blech, das an den Winkeln mit je drei 3 mm–Blindnieten gesichert ist (und innen als Widerlager mit 2 mm–Eisenblech).

Zumindest den Winter 2015/2016 über wird das halten. Wichtig: Bei zwei Leuchten müssen diese 10° nach innen und 20° nach außen abstrahlen.

 

Der Test der Tagfahrleuchten

Der erste Test zeigte leider, dass es mit 6 Volt doch nicht ganz so prima klappt. Damit die Leuchten nicht mehr flackern, braucht es höhere Drehzahlen. Sobald das Motorrad fährt, sind sie jedoch konstant an und leuchten so hell wie erwartet (siehe Foto).

Na schön, also „Plan B” mit der Spannungsverdoppelung auf 12 V. Die von uns eingesetzte Schaltung kann mit einem passenden Kühlkörper 2 A Strom liefern, was bequem genügt. Um ein zusätzliches Kabel zum Seitenwagen zu sparen, wurde dort einfach eine zweite Spannungs­verdopplung eingebaut.

Beim Einbau dachte ich zunächst, die linke Leuchte sei defekt oder ich hätte etwas falsch angeschlossen - sie tat's nicht. Die Ursache: Das Massekabel von der Lampe war an der Crimp–Stelle des Steckers nicht abisoliert  (sauer) . Das ließ sich zum Glück leicht beheben.

Wie schon erwähnt, sollten die dünnen Kabelchen sehr sorgfältig mit Kabelbindern gegen Vibration gesichert werden. Brechen sie an der Vergussmasse am Gehäuse ab, ist Schicht im Schacht - denn die Lampen lassen sich nicht öffnen.

Nachdem ich die von der Tochter geschossenen Fotos gesehen hatte, war ich sehr zufrieden. Die Leuchten sind schon ab dem Anfang der Straße auf dem Foto hervorragend zu sehen.

 

Eine komplette Hilfsschaltung

Erst nach ein paar Tagen fiel auf, dass die Tagfahrleuchten (zumindest die linke) auch bei eingeschaltetem Licht gelegentlich aufblitzen. Das ist natürlich auch nicht im Sinne des Erfinders. Zum Glück ist die Abhilfe einfach zu haben.

Das Foto des Abschnitts zeigt die Lösung. Der Spannungsverdoppelung wurde am Eingang ein Elko (Elektrolytkondensator) mit 4.700 µF spendiert. Am 12 Volt–Ausgang kam ein 6 Volt–Relais hinzu. Die Schaltkontakte sind in Ruhestellung leitend. Wird das Relais über Klemme 58 mit Plus versorgt, schaltet es durch und „kappt” das Tagfahrlicht.

Die Platine aus dem Spannungsverdoppelungs–Bausatz habe ich der Einfachheit halber auf einer größeren Hilfsplatine „aufgeständert”. An den Schrauben rechts im Bild wird auch der zweite Haltepunkt für die Anbringung (hier: im Kofferraum des Seitenwagens) angebracht.

Als Folge braucht es nur noch eine Zuleitung zu den Leuchten - die gelbe Abschaltleitung wird nicht mehr benötigt.

Diese Schaltung war der „Durchbruch”. Genauer: Sie funktioniert perfekt. Solange die Zündung an ist, „brennen” die sehr hellen Leuchten, und durch sie Abschaltung mittels Relais werden sie ebenso gut abgeschaltet.

 

Rechtliche Fragen

Leider ist die Tagfahrlicht–Frage bei Gespannen nicht ganz geklärt. Die ECE–Richtlinien und die der StVZO sind nicht stets im Einklang, und manche Vorschriften widersprechen sich. So sind beispielsweise zu Positionsleuchten dimmbare Tagfahrleuchten nicht zulässig, weil ein Motorrad–Gespann nur genau zwei Positionslichter haben darf, es sei denn, diese werden abgeschaltet. Maßgeblich ist StVZO § 17 Absatz 2a.

Ebenfalls ungeklärt ist, ob die Verwendung von Leuchten mit „A RL”–Zeichen auch wie solche mit „RL”–Zeichen verwendet werden dürfen (also mit Abschalten statt Dimmen).

Bei Krafträdern, die ab dem 23. Juni 2011 genehmigt wurden, muss bei TFL am Motorrad auch das Rücklicht brennen (anders als bei PKW, wo es nicht brennen darf), bei älteren Genehmigungen darf es das, muss aber nicht, dito die Kennzeichenbeleuchtung. Was ist jedoch mit dem Rücklicht des Seitenwagens? Darf es leuchten - auch nach vorne?

Update (2016-09-30)

Im September 2016 fand sich ein hilfsbereiter TÜV–Prüfer, den das Thema selbst interessierte, und der sich durch den Paragraphen–Wust (StVZOvs. ECE–Regelungen) durchnagte. Sein Fazit: Das Rücklicht muss mitleuchten, die Kennzeichenbeleuchtung und die Positionsleuchten am Beiwagen dürfen es (auch vorne!). Damit sind wir mit unserer Version (Rücklicht an) auf der sicheren Seite  (zwinker) und haben sofort auch noch das Seitenwagen–Licht zugeschaltet.

Die Prüfer sind meist selbst über Maßnahmen erfreut, die die Sicherheit erhöhen, wenn sie vernünftig ausgeführt sind. So hatte ich beispielsweise nie Kummer mit der Nebelschlussleuchte an dem alten Victoria–Gespann, obwohl es dazu keinerlei Richtlinien gibt.

 

Neue Anbringung

Der neue Halter für das linke Tagfahrlicht.
[ ± ]. Schon besser!

Auf dem Foto weiter oben sieht das alles okay aus. Leider hat sich im täglichen Straßenverkehr gezeigt, dass die linke Leuchte schon bei leicht eingeschlagenem Lenker kaum noch zu sehen ist, oder nur aus größerer Entfernung oder bei genug Abstand des Gegenverkehrs.

Da die Konsole dort sowieso eher ein unschönes Provisorium war, wurde flugs über Alternativen nachgedacht - schwierige Kiste. Allzu hoch will ich die Tagfahrleuchten nicht haben, an ungefederten Teilen ist das Mist, aber besonders der Abstrahlwinkel der linken Leuchte nach rechts schwächelt. Und hier braucht es ja auch noch die Abstimmung zwischen Seitenwagen und Motorrad, was die Höhe angeht. „Schick” ist auch ein Thema.

Sehr viele Alternativen gibt es da nicht, aber immerhin! Links bietet sich das Gabelschutzrohr an. Das ist aus relativ kräftigem Eisen. Mit Hilfe des bewährten Alu–Flachprofils (20 × 5 mm) und zwei Schlauchschellen aus VA war da schnell ein schönerer Halter gebastelt (die Rohre haben 52 mm Durchmesser).

Aber rechts - was auch immer an den Seitenwagen kommt, es sieht bescheuert aus. Da muss noch eine optisch nettere Lösung her, um die beste Tochter von allen nicht zu vergrätzen.

 

Innenleben

Eine der Leuchten wollte wenige Tage nach Ablauf der Garantie nicht mehr, wurde jedoch auf Kulanz ersetzt. 2018 stand uns eine „neue” Victoria in's Haus - was nun, da es diese Leuchten nicht mehr gibt?

LED–Leuchten für Kraftfahrzeuge müssen verklebt sein, um Manipula­tionen zu verhindern. Das juckte mich jetzt weniger, Sicherheit geht vor. Also habe ich das Glas abgesägt und die sonstigen Verbindungen gelöst. Die LED tat noch richtig, an der Konstruktion waren nur zwei Kabel abvibriert. Meine Herren, werden die Dinger heiß!

Die Elektronik ist im Grund entbehrlich. Ein Festspannungsregler mit 3,3 Volt und 1,5 Ampère sowie Freilaufdiode und Beruhigungs–Konden­satoren tut's weit besser, denn das spart die Spannungs­erhöhung. Das werde ich also so zusammenbauen und das „Glas” wieder aufkleben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Immerhin ist die Leuchte dann wieder verklebt und sieht äußerlich richtig aus - und trotz des illegalen Eingriffs bleibt die Funktion erhalten.

Das Foto zeigt so eine Leuchte in einem Fahrradlampen–Becher von Bosch - da passen die Teile wie gemalt 'rein. Das sieht an einem Veteranen–Motorrad einfach besser aus. Passende Halter habe ich inzwischen per Laser schneiden lassen. Leider werden die Leuchten in der Hülle jedoch zu heiß, das ist daher keine Option.

 
 
Ende der Seite.