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Elba 2016: 2.800 Kilometer mit dem Victoria–Gespann

Sonst bin ich nicht um Worte verlegen, aber diesmal schon. 26 Jahre nach der letzten Reise nach Elba mit dem Veteranen–Motorrad (das damals noch keines war) wollte ich es noch einmal wissen und auch meiner Tochter so ein Abenteuer „gönnen”. Um es kurz zu machen, wir haben das Programm mit allen Höhen und Tiefen abgespult und sind auf den eigenen drei Achsen heimgekehrt.

Durch eine unglückliche Verkettung von Umständen waren wir alleine unterwegs. Aber gerade das sollte Interessenten Mut machen - es gibt immer einen Weg und eine Lösung, wenn es 'mal schwieriger wird.

Daher wollen wir hier ausführlicher als sonst über unsere Erfahrungen berichten. Das Motorrad spielt dabei nur eine Rolle, der Reiz solcher Reisen steht klar im Vordergrund. Meist waren wir mit 55 bis 65 km/h unterwegs. Das ist dann doch etwas anderes als mit dem Auto oder der Bahn. Und wir haben uns soviel Zeit gelassen, dass kein Stress aufkam.

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Was hatten wir für Probleme?

Vorab eine kurze Zusammenfassung unserer Pleiten, Pech und Pannen. Auf die letzte werden wir noch im Detail eingehen, denn da hat der heilige Christophorus (der Schutzpatron der Reisenden) ein Wunder bewirkt.

  • Durch die extrem verstärkte Kupplung ist uns bei Voghera in der Lombardei der Kupplungszug gerissen - kein Thema, wir hatten Ersatz dabei.
  • Die Stromversorgung für das linke Tagfahrlicht glänzte durch eine „kalte Lötstelle” und wollte am Ende gar nicht mehr.
  • Die Tachonadel vibrierte sich um zehn Kilometer nach vorne.
  • Die eine Haltestrebe am Seitenwagenkotflügel verbog sich, vibrierte erst am Kotflügel und dann am Boot ab, und nach der dritten Notreparatur war sie plötzlich weg  (zwinker) .
  • Kurz vor der Abreise rissen uns erst sieben, dann 16 und zuletzt 17 Speichen am Hinterrad ab - was weniger trivial war. Wir haben noch auf der Insel die verbliebenden Speichen malerisch umverteilt (auch solche vom Vorderrad) und sind dann erst bis Genua gefahren (wo wir Ersatz gefunden haben für das Hinterrad) und mit nur 27 statt 36 Speichen vorne sogar bis nach Hause.

Der mit neuen Kurbelwellendichtringen versehene Motor brummte jedoch frohgemut durch - tanken, fahren. Einen halben Liter Getriebeöl haben wir am Ritzel und Gangschalthebel verloren - kein Wunder bei der Hitze und den Belastungen. Das ist alles in allem keine schlechte Bilanz für ein da 62 Jahre altes Fahrzeug unter Höchstlast.

 

Menscheleien

2002 war ich zuletzt auf Elba gewesen (mit einem alten Mercedes). Meine Tochter war damals noch sehr klein und kann sich kaum an etwas erinnern. In Italien war sie inzwischen öfter, aber meist nicht vorwiegend unter Italienern. Zum besseren Verständnis, wir sprechen beide nahezu muttersprachlich italienisch.

Diesmal öffnete sich ihr eine ganz neue Perspektive, nämlich die auf das echte Italien - zumal kaum deutsche Touristen umherschwärmten. Nach so vielen Jahren alte Bekannte wohlauf wiederzufinden und die italienische Gastfreundschaft und Herzlichkeit (und vor allem: Hilfsbereitschaft!) zu erleben, ging auch nicht spurlos an mir vorüber.

Wir waren ständig im Gespräch. Alle wollten alles wissen, mit echtem Interesse. Vater, Tochter und ein Veteranen–Gespann alleine unterwegs öffneten die Herzen, die Zungen und teils auch den Geldbeutel. Wohl einer der bewegendsten Momente war unser Abendessen im „Mickey Mouse”, als meine Tochter flugs errechnete, dass ich ein Jahr nach der Eröffnung (1976!) zuerst und 39 Jahre später wieder einmal da zu Gast war.

Wie erhofft trafen wir in der „Darsena”, dem alten Yachthafen von Portoferraio, Freitag Nachmittag meinen Piratenfreund Jochen mit seiner Co–Skipperin Sonja. Ein Wiedersehen nach 16 Jahren …

Die Segler waren begeistert von unserer kleinen Möhre - das nötigte auch ihnen Respekt ab, denn 'mal nach Korsika 'rüberschippern bei rauer See mit einer 34 Fuß–Yacht oder mit so einem Zwerg die Pässe zu überqueren, nimmt sich nicht soviel  (lachen) .

 

Essen wie Gott in … Italien!

Meine Tochter hat bei der Reise dreimal Ravioli gegessen. Na und, werdet ihr denken, die gibt's doch hier auch?

Solche nicht. Die ersten nahe Bellinzona waren klassisch, aber das Hackfleisch mit Kräutern und Fenchel gewürzt - außergewöhnlich lecker, und Details kennen wir nicht. Der zweite Streich erfolgte bei Maurizio Tosi im Summertime (siehe Foto) - diesmal bestand die Füllung aus Garnelenfleisch. Das dritte Erlebnis hatten wir auf der Rückreise in Salice Terme - Füllung mit „Brasato”, lombardischen Rotwein–Schmorbraten.

Kurzum, wir haben gut gegessen und getrunken, und das mit aller Ruhe. Wer meint, er könne derlei hier nachkochen, wird sich enttäuscht sehen: Es klemmt an den frischen und richtigen Zutaten und am nötigen Klima, damit Speisen und Getränke ihren Geschmack entfalten.

Über den „italienischen Knigge” schweigen wir uns aus - mit einigen Ausnahmen: Wartet immer darauf, angesprochen zu werden, sagt, wie viele ihr seid, und lasst Euch vom Wirt oder der Wirtin einen Platz anbieten - das ist eine Respektsfrage! Und Trinkgelder unter 10% oder über 15% der Zeche sind ganz daneben. Wenn ihr der Küche Euer Lob aussprecht, habt ihr die Herzen schon gewonnen. Lautes Gelächter oder sonst Lärm sind meist auch nicht so gern gesehen.

 

Reisetagebuch

Wir haben hier nach und nach ein Reisetagebuch erstellt. Es soll den Interessenten zeigen, dass so eine Reise mit einem Veteranen–Motorrad viele Abenteuer und Erlebnisse mit sich bringt, die jedoch alle zu bewältigen sind - und es ist eine Zeitreise. In den 1950er–Jahren dürften das die Reiselustigen mit Vespa, Kraftrad oder Käfer nur wenig anders erlebt haben, und das ist ja schon ein paar Jahre her.

Autobahn? Nein danke, ist in Italien für uns auch nicht mehr erlaubt. Die alten Straßen wie zu meiner Kinderzeit? Ja, es gibt sie meist noch, so wie die Abfahrt vom Gotthard–Pass über die Tremola–Schlucht. Und anders als befürchtet haben sich auf der ganzen Reise nur zwei hastige Autofahrer über uns Lahmschnecken beschwert, dafür umso mehr den erhobenen Daumen zum Fenster herausgestreckt!

Kurzum, es gibt genug zu erzählen, und wir waren klug genug, das Meiste aufzuschreiben, was uns passiert ist (ja, mit Stift und Papier!). Ich habe bald drei Wochen lang keine E-Mail gelesen und es nicht vermisst.

 
 
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