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2016-09-03

Tipps für Reisen mit den alten Motorrädern

Im Dezember 2015 haben wir schon Tipps zur Planung von Reisen mit den alten Krafträdern gegeben. Im Juli und August 2016 haben wir den Plan in die Tat umgesetzt und sind mit unserem Victoria–Gespann nach Elba gefahren - fast 2.800 km insgesamt.

Da haben wir wieder erfahren können, worauf es wirklich ankommt. Daher wollen wir hier ein paar Tipps geben, die Euch so eine Reise in den Süden bei hochsommerlichen Temperaturen und mit „Alteisen” (hier mit drei Rädern) erleichtern können.

Dabei stehen Reisende und Maschine gleichberechtigt im Vordergrund, denn beiden soll's ja gut gehen!

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Vorbereitung: Motorrad und Gepäck

Wenn ihr irgendwo bei dem Veteranen–Motorrad auch nur die leisesten Zweifel habt: Bringt es vor der Reise in Ordnung, ob nun Zündung, Bremsbeläge (wichtig!) oder gar Motorprobleme. Wir mussten kurz vor unserer Reise 2016 noch die Kurbelwellen–Dichtringe („Simmeringe”) tauschen, was eine größere Aktion war.

Ich kann nur empfehlen, das rechtzeitig in Angriff zu nehmen. Denn besonders nach einer Reparatur am Motor sollten etliche Kilometer Probefahrt unter vergleichbaren Bedingungen wie bei der geplanten Reise zeigen, ob alles passt. Und neue Bremsbeläge brauchen etwas Zeit, bis sie richtig greifen - und das müssen sie!

Wir waren da schon ziemlich kühn, denn wir starteten nach nur 130 Kilometern Test mit neuen Bremsbelägen, Kurbelwellendichtringen, Kolbenringen, einer neuen Zündspule, einem neuen Zylinderkopf und und und … Dabei hatten wir das Moped eher auf Kraft und Drehmoment als Geschwindigkeit ausgerichtet.

Kommen wir zum nächsten Thema. Es lohnt sich, vorher zu überlegen, was auf der Reise wo am besten verstaut wird (und was überhaupt mitzunehmen ist). Wohin damit ist eine Frage, das Gewicht die zweite. Ich geb's hier offen zu, wir haben das damals noch eingetragene Gesamt­gewicht überschritten, blieben aber im Rahmen einer regulären KR26 mit Beiwagen (442 kg, das ist inzwischen auch eingetragen).

Die sonstige Ausrüstung sollte auch noch 'mal geprüft werden. Sitzt der Tankrucksack? Schließen die Koffer gut? Tun es Kocher und Zeltleuchte? Ist das Zelt komplett?

 

Wasser, Salz, Klamotten

Bei unserer Reise nach Elba 2016 war es schon in Deutschland sehr heiß. Das sollte sich in Italien nicht ändern. Bei 30° C und mehr wird mehr Flüssigkeit ausgeschwitzt, als der Fahrer merkt. Das können leicht mehrere Liter am Tag sein.

Achtet also unbedingt darauf, dass ihr ständig reichlich Wasser trinkt. Ihr seid erst auf der sicheren Seite, wenn ihr ab und an pinkeln müsst - vorher besteht die Gefahr, unbemerkt auszutrocknen (das ist kein Witz!).

Zweitens müsst ihr den Salzhaushalt in Ordnung bringen. Hier sind ab und an ein paar Chips oder andere salzige Speisen ein „Muss” und keine Sünde. Wichtig: Beides müsst ihr mit dem Kopf steuern, da gibt es keine Alarmsignale, sonst kann es Euch plötzlich ziemlich mies gehen!

Nächster Punkt. Wer mit so einer ollen Mopete mit 50 bis 60 km/h in See sticht (und das Richtung Süden), sollte sich eher luftig kleiden. Jeans oder Moleskin–Baumwollhosen, Hemden und T-Shirts sind da weit besser als Motorrad–Kombis und Leder. Ein offener Jethelm sorgt dafür, dass auch der Kopf schön kühl bleibt oder zumindest nicht überhitzt, ob der Helm nun schwarz ist oder nicht (erm, gibt es denn andere akzeptable Farben außer schwarz, silber oder weiß?  (zwinker) ).

Es kann Euch auch leicht passieren, dass Euer Kreislauf morgens plötzlich mies da steht. Trinkt bloß nicht zuviel Kaffee, sondern nehmt lieber ein Ass Ratiopharm TAH - das ist ein (harmloses und Rezept–freies) blutverdünnendes Mittel, und trinkt dann genug Wasser. Kühlt die Pulsflächen unter fließendem, kaltem Wasser. Wartet im Schatten, bis alles wieder okay ist.

 

Rain or shine (Regen oder Sonne)

Die Kehrseite von Sonne und Hitze sind Regen und Kälte. Wie wir von unserer Reise wissen, erledigen Schweizer Dinge gerne mit Gründlichkeit. So ist auch ein Regen in der Schweiz ist ein qualitativ hochwertiger Regen.

Auch wenn ihr meint, dass Euer Tankrucksack und andere Gepäckstücke passabel geschützt sind - bei amtlichem Regen können sie versagen. Daher ist es nicht die schlechteste Idee, Teile der Klamotten in wasserfeste Müllsäcke zu verpacken. In den Baseler Alpen erwischte es uns beispielweise zwischen Schlag und zwölf, und schwupps, waren nicht nur wir nass bis auf die Knochen, sondern auch ein Teil des Gepäcks.

Die Haube für den Tankrucksack tat nicht so wirklich, was sie sollte. Nun sind aber nasse Klamotten eher doof, vor allem, wenn es auch die Wechselgarnitur betrifft - daher lohnt sich „Plan B”, der mit mehreren Müllbeuteln.

Statt schwerer und kompliziert anzuziehender Overalls sind dünne Fahrrad–Regenhosen und –Jacken die bessere Wahl. Sie lassen sich auch besser griffbereit verstauen, in unserem Fall unter dem Sitz im Beiwagen.

Solange Euch bei Sonne der Fahrtwind schön kühlt, merkt ihr nicht, dass die Sonne amtlich vom Himmel brennt. Erst abends stellt ihr fest, dass ihr Euch einen amtlichen Sonnenbrand geholt habt. Wir hatten Sonnen­schutzmittel mit Lichtschutzfaktor 50 dabei, und selbst das hat nicht immer geholfen. Dafür gibt es jedoch gute Nachbehandlungsmittel.

 

Halt, hiergeblieben!

Ein Zweitaktmotor hat nun einmal keine dolle Motorbremswirkung (obwohl ich doch überrascht war, wieviel davon unser Gespann hat). Folge: Muss das Dreirad an einer auch nur leicht abschüssigen Stelle abgestellt werden, genügt es nicht, den ersten Gang einzulegen.

Leider hatten wir es zeitlich nicht mehr geschafft, die geplante Feststell­bremse zu bauen, obwohl die meisten Teile dafür schon im Haus waren. Also nahmen wir einen Holzklotz als Keil mit. Das war eine gute Idee, denn wir haben ihn fast täglich und oft mehrfach gebraucht (siehe Foto).

Bei Solo–Motorrädern gibt es zwei weitere Problemfälle. Erstens haben die Mitarbeiter der Fähren zuweilen eine sehr ulkige Vorstellung von „Ladungssicherung” oder einfach keine Lust dazu. Wer also sicher sein will, dass plötzlicher Seegang keine Schäden verursacht, sollte sein Kraftrad tunlichst selbst mit eigenen Riemen oder Gurten und Lappen oder Klamotten als „Fendern” sichern. Der Seitenständer ist meist günstiger als der Hauptständer, wenn er nicht mehr einklappen kann.

Zweitens und selbst schon erlebt: Der Asphalt kann im Süden so heiß und damit weich werden, dass die Ständer nach und nach einsinken. Hier helfen Brettchen als Unterlage. Ist der Hauptständer erst 'mal eingesunken, kann es leicht in Arbeit ausarten, den wieder frei zu bekommen, und die Folgen eines eingesunkenen Seitenständers mit zu kleiner Auflagefläche dürften klar sein.

 

Was ihr dabei haben solltet

Wir werden bei Gelegenheit noch eine universelle Checkliste als Vorlage einstellen. Die solltet ihr unbedingt rechtzeitig vorbereiten und vor der Abreise abarbeiten, sonst ist die Gefahr groß, doch einiges zu vergessen. Hier gehen wir nur auf ein paar besondere Punkte ein, also nicht Werkzeug, Ersatz- und Verschleißteile, Flickzeug und Luftpumpe, etc.

Fahrer von Zweitaktern sollten das Zweitaktöl für die gesamte Reise dabei haben. Wir hatten bei der Elba–Reise fünf Liter im Kofferraum und eine 1 l–Dose mit Messskala im Koffer (damit wir beim Tanken nicht den Kofferraum ausräumen mussten). Die Victoria KR25 und KR26 verlieren gerne Getriebeöl am Schalthebel, Kickstarter und beim Ölrückholring am Ritzel, vor allem bei Hitze. Auch da sollte mindestens ein halber Liter (SAE 90) dabei sein, denn beides bekommt der Reisende nicht an jeder Ecke, und selbst wenn, dann zu Mondpreisen.

Wie auf dem Bild zu sehen ist: Drei kleine Schraubzwingen erleichtern die Demontage von Reifen enorm (und die Montage). Sie halten die Reifenflanken in der Vertiefung in der Mitte der Felge. Ob nur zwei oder drei Räder, der Hauptständer alleine nützt nicht viel, weil sich dann nur das Hinterrad hebt. Abhilfe schaffen passende Stücke Dachlatte, mit denen das Vorder– oder Seitenwagenrad hochgehalten werden kann (bei Zweirädern vorne an der Gabel).

Warnwesten sind für Motorradfahrer in Italien nicht vorgeschrieben, aber ein Verbandskissen. Ferner empfiehlt es sich, eine grüne Versicherungs­karte dabei zu haben.

 
 
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